21.10.2018

Jens Lehmann zum Rundumschlag der Bayern-Bosse: „Kernbotschaft gar nicht so verfehlt“

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  • Diskussion um Generationswechsel in München für Ex-Nationaltorhüter „völlig unangebracht“
  • Markus Gisdol: Bayern-Bosse haben „Mannschaft und Trainer einen großen Gefallen getan“  Ex-Trainer des HSV über Borussia Dortmund: „Ernst zu nehmende Mannschaft für den Titel“ 
  • Sky Experte Fjörtoft zur Bayern-PK: „Das Werkzeug war fatal“

Wien, 21. Oktober 2018 - In „Wontorra – der Fußball-Talk“ sprachen u.a. Jens Lehmann, Markus Gisdol und Jan Aage Fjörtoft über aktuelle Themen. Alle Stimmen dazu bei Sky Sports Austria HD.

Jens Lehmann (ehemaliger Nationaltorhüter):
… zur Pressekonferenz des FC Bayern: „Den Kern, den Karl-Heinz Rummenigge angesprochen hat, kann ich verstehen. Die Polemik ist schon extrem im deutschen Fußball. Deutsche Polemik ist immer so: ein Spieler hat etwas gut gemacht, aber wir erinnern uns auch an alles, was vorher nicht gut lief. Ob die Art und Weise der Darstellung richtig war, ist mir egal. Die Kernbotschaft fand ich gar nicht mal so verfehlt.“ // „Wir haben prinzipiell die Tendenz, Leute, die ganz oben waren, schrittweise wieder herunterzuholen. Das ist eine typisch deutsche Sache. Franz Beckenbauer ist für mich das Paradebeispiel.“

… zur Frage, ob beim FC Bayern ein Generationswechsel ansteht: „Sie haben gestern gewonnen, wenn sie in der Champions League gewinnen, ist doch alles schön. Mit einem Generationswechsel zu kommen, finde ich völlig unangebracht.“

… zu Bundestrainer Joachim Löw: „Umbruch ist relativ. Er hat eine Vielzahl an Spielern gewechselt - mit demselben Resultat unter dem Strich: Wir haben verloren. Aber er sieht, das unsere Begeisterung etwas größer war. Weil wir natürlich auch gegen den Weltmeister gespielt haben. Von Jogi erwartet man jetzt, dass er mit den jungen Spielern einen neuen Weg geht. Wir wollen bei der nächsten Europameisterschaft gewinnen. Das hat er selbst gesagt, er wollte eine Ära kreieren. Wenn er das jetzt angefangen hat mit dem letzten Spiel und ihm das gelingt, dann Hut ab. Aber ich glaube, dass er sich auch ein bisschen verändern muss.“

… zur Zukunft von Joachim Löw: „Die Konsequenz wird von der Öffentlichkeit ausgehen, sicher nicht vom DFB. Die haben sich festgelegt, mit Löw weiterzumachen. Ich glaube nicht, dass seine Zukunft vom nächsten Spiel abhängt.“

… zum SV Werder Bremen: „Bremen hat den einzigen Fußball, den ich momentan sehe, der einen klaren Plan nach vorne hat. Es ist ein großes Kompliment. Das Spiel in Deutschland ist immer gegen den Ball. Bremen zeigt als gutes Beispiel, dass es auch anders geht. Sie haben mehr den Ansatz nach vorne. Es sieht so aus, als ob Bremen dauerhaft oben bleiben würde.“

… zu Thomas Müller: „Wenn Thomas Müller auf dem Platz steht, reißt er die Mannschaft mit. Er fasst die Situation sehr positiv auf. Thomas Müller ist einer der schlausten Spieler, die bei Bayern rumlaufen. Er erkennt Räume, da gibt es nur wenige Spieler. Es liegt manchmal auch an den Mitspielern zu sehen, welchen Raum er frei macht.“

Markus Gisdol (Ex-Trainer Hamburger SV und 1899 Hoffenheim):
… zur Pressekonferenz des FC Bayern: „Es war für Kovac eine wichtige Situation nach dieser Pressekonferenz. Alle Spieler haben gemerkt, dass der Verein zu 100 Prozent hinter dem Trainer steht. Somit waren alle Alibis für die Spieler weg, das hat man auch in diesem Spiel gegen Wolfsburg gesehen. Deswegen glaube ich, dass die PK dem Trainer geholfen hat. Sie (Rummenigge und Hoeneß) haben der Mannschaft und dem Trainer einen großen Gefallen getan. Sie haben von der Mannschaft abgelenkt. Über die Art und Weise können wir streiten. Aber sie haben eine Duftmarke gesetzt, wo man sich vielleicht in Zukunft überlegt, ob man schnell über einen Spieler urteilt.“

… zur Frage, ob beim FC Bayern ein Generationswechsel ansteht: „Die Frage irritiert mich. Sie haben in den letzten Jahren in Deutschland alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. International waren sie gefühlt immer mindestens im Halbfinale. Warum soll jetzt alles vorbei sein, weil sie jetzt ein paar Wochen nicht so erfolgreich sind, wie man sich das vorstellt? Das geht mir zu schnell. Das kann ich nicht unterschreiben, weil sie jahrelang einen sehr guten Job gemacht haben und beide einen sehr fitten Eindruck machen.“

… zu Lucien Favre: „Die Spielidee des Trainers harmoniert perfekt mit der Mannschaft. Wir haben hier eine sehr ernst zu nehmende Mannschaft, die um den Titel spielen kann. Die Frage ist, wie Favre an den Schrauben drehen kann, wenn sich die Bundesliga auf Dortmund eingestellt hat.“

… zu Bundestrainer Joachim Löw: „Ich bin sicher, er ist schlau genug, das hinzubekommen. Er hat nach er WM gedacht, dass man das mit einer Art Soft-Wechsel hinbekommen kann. Er hat aber schnell gemerkt, dass das nicht reicht, das man mehr verändern muss. Ich bin sicher, er wird diesen Weg konsequent weitergehen. Er hat beweisen, dass er eine Mannschaft formen kann. Das ist der nächste Schritt für ihn, etwas Neues zu entwickeln. Die Zeit hat er sich verdient.“

… zu Thomas Müller: „Es ist wichtig für ihn, die Situation anzunehmen und nicht ein Problem darzustellen. Da ist Thomas auch sehr klug, dass er einschätzen kann, in diesem Moment nehme ich mich zurück, ich bin aber noch sehr wertvoll. Sowohl für die Nationalmannschaft als auch in München.“

… zum VfB Stuttgart: „Ich glaube, das letztes Jahr eine große Erwartungshaltung entstanden ist, die für diese Saison ungesund ist. Wir müssen dem neuen Trainer jetzt die Zeit geben, dass er seine Dinge auch umsetzen kann.“ // „Was das Debüt von Markus Weinzierl angeht: Er hat gerade mal zwei Tage mit der Mannschaft trainieren können. Es war eine denkbar ungünstige Situation, das erste Spiel gegen Dortmund haben.“

Sky Experte Jan Aage Fjörtoft:
… zur Pressekonferenz des FC Bayern: „Für mich hatten die Bayern keine Krise, bis ich die Pressekonferenz am Freitag gesehen habe. Es kann kein Berater gesagt haben, dass das eine gute Idee war. Ich verstehe, warum sie das gemacht haben, und was sie versucht haben zu erreichen, aber das Werkzeug war fatal. Natürlich soll man Bayern-Spieler sportlich kritisieren. Ich kenne die deutschen Gesetze nicht so gut, aber ich glaube, die Pressefreiheit ist das Wichtigste. Wenn es ein Gesetz in Deutschland gibt, das besagt, dass ich als Norweger meine Meinung nicht sagen kann, der muss einen guten Anwalt haben.“ // „ Das Schlimmste war, das ein Salihamidzic nicht gestärkt wurde.“

… zu Thomas Müller: „Bei Thomas Müller ist es wie bei Bastian Schweinsteiger. Der ist Bayern. Er ist der wichtigste Markenbotschafter. Dass er sich in dieser Situation so benimmt, liegt daran, dass er Bayerns Identifikationsfigur ist. Er spielt nicht mehr so gut, aber immer wenn es ins Spiel kommt, steckt er die Spieler an.“

… zur deutschen Nationalmannschaft: „ „Es geht nicht um zu jung oder zu alt. Es geht um schnell und zu langsam. Wir brauchen Schnelligkeit im deutschen Spiel. Da muss man gucken, wer von den deutschen Talenten diese Schnelligkeit hat.“


Über Sky Österreich:
Über Sky Österreich: Sky gehört in Österreich mit rund 400.000 Kunden und einem Jahresumsatz von über 170 Millionen Euro (Stand: Juni 2018) zu den erfolgreichsten privaten Fernseh-Unternehmen. Das Programmangebot besteht aus Live-Sport, Spielfilmen, Serien, Kinderprogrammen und Dokumentationen. Sky Österreich mit Sitz in Wien ist Teil von Europas führender Unterhaltungsgruppe Sky plc. 23 Millionen Kunden in sieben Ländern sehen die exklusiven Programme von Sky, wann immer und wo immer sie wollen.

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